Autor: Jan-Patrick Weuthen, Senior-Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln.

Das Thema digitale Währungen greift mit zunehmender Dynamik um sich. Heiß diskutiert wird vor allem die mit Abstand größte und älteste Kryptowährung: der Bitcoin. Der Hype um Bitcoin geht ununterbrochen weiter. Im November hat die Kryptowährung ohne konkrete Gründe in kurzer Zeit die 10.000 US-Dollar-Marke geknackt. Die Notierung hat sich damit allein in diesem Jahr verzehnfacht. Die Angst der Investoren, den nächsten Kursanstieg zu verpassen, treibt die Notierung von einem Rekord zum nächsten. Fundamentale Nachrichten hierfür sind Mangelware.

Auch die internationalen Zentralbanken beschäftigen sich mit dem Phänomen der Geldschöpfung über private Kryptowährungen. Die Meinungen schwanken zwischen der Herausgabe von offiziellen Digitalwährungen und einem allgemeinen Handelsverbot. Ein Vergleichsversuch von Bitcoin mit Gold als Inflations- und Krisenwährung bietet sich daher an.

Erste Regulierungen für Bitcoin gibt es schon. China verbietet bereits Handelsplattformen für Digitalwährungen. Russland schränkt den Zugang stark ein. Würden weitere Regulierungen oder Handelseinschränkungen in anderen Ländern bekannt, dürfte der Wert der digitalen Währungen stark sinken. Aber auch beim Gold gab es von 1933 bis 1974 in den USA ein Verbot des Goldbesitzes. Diese Situation erscheint aber in heutigen Zeiten eher unrealistisch. Steuerlich gibt es für Anleger zumindest keine Unterschiede. Kursgewinne sind bei beiden nach einem Jahr steuerfrei.

Sicherheit: Klarer Punkt für Gold

Beim Thema physische Sicherheit und Handelbarkeit liegt Gold klar vorn. Obwohl beide Assets nicht beliebig vermehrt werden können, würden Stromausfälle, Netzbetreiber-, Smartphone-, Server- oder Computerausfälle den Handel in Bitcoin stark einschränken. Die Kryptowährung ist also nur in Verbindung mit dem Internet nutzbar. Gold hingegen findet als seltener Rohstoff auch im Schmuck- und Industriebereich Verwendung.

Lagerkosten: Punkt für Bitcoin

Bei der Lagerung und deren Kosten hat jedoch der Bitcoin die Nase vorn. Tresore und Sicherheitstransporte sind kostenintensiver als beispielsweise E-Wallets.

Geringe Schwankungen: Punkt für Gold

Wenn eine Transaktion mit Bitcoins falsch läuft, gibt es keine offizielle Behörde, an die sich User wenden können. Hackerangriffe, wie auf Mount Gox oder zuletzt auf die Konkurrenzwährung Theter, bei denen jeweils zweistellige Millionenbeträge erbeutet wurden, führen zu Unsicherheit und Vertrauensverlust. Das Ergebnis sind Kursverluste. Die Schwankungsbreite in Bitcoin ist folglich enorm.

Auch Gold kann stark schwanken. Es besitzt aber gerade in Krisenzeiten eine stabilisierende Wirkung, ist aber verbunden mit dem Währungsrisiko des US-Dollars. Wie sich Kryptowährungen bei einer geopolitischen oder ausgewachsenen Finanzkrise verhalten, bleibt noch abzuwarten.

Anleger wetten auf fragliche Zukunft

Ob es sich bei den Digitalwährungen um eine neue Evolutionsstufe des Zahlungsverkehrs handelt und wer dabei die Führung übernimmt, wird die Zukunft zeigen. Die hinter Bitcoin steckende hochgepriesene Blockchain-Technologie hat zumindest das Zeug dazu. Anleger aber wetten jetzt genau auf diese noch fragliche Zukunft. Die derzeitigen Ausschläge des Bitcoin und dessen digitalen Konkurrenten sind so groß, dass sich diese eher als Spekulationsobjekt eignen, statt als ernst zu nehmende Währungsalternative. Eine Korrektur des Bitcoin ist nach diesen Anstiegen und der aktuellen Stimmung das wahrscheinliche Szenario.

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