Autor: Jan-Patrick Weuthen, Senior-Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln.

Die meisten Privatanleger begegnen dem Thema Emerging Markets bei der Anlage für die Altersvorsorge eher zurückhaltend. Zumeist kann in Anlegerportfolien ein deutlicher Schwerpunkt bei heimischen Anlagen, der sogenannte Home Bias, festgestellt werden.

Es ist nachvollziehbar, dass Anleger sich mit Unternehmen aus ihrer Region vermeintlich besser auskennen als mit lateinamerikanischen, afrikanischen oder asiatischen Unternehmen.

Langfristig betrachtet besteht allerdings nicht nur die Gefahr, aus Diversifikationssicht die Assets nicht optimal gestreut zu haben, sondern auch wichtige globale Veränderungen nicht ausreichend abzubilden bzw. ganz zu verschlafen. Die bekannten entwickelten Märkte verfügen heutzutage größtenteils über enorme Staatsverschuldungen. Die langanhaltende sehr expansive Geldpolitik von amerikanischer, europäischer und japanischer Notenbank hat zu Fehlallokationen bei internationalen Kapitalströmen geführt und sowohl bei Aktien als auch Anleihen Verwerfungen und teilweise Überbewertungen zur Folge gehabt.

Bei Anleihen ist kaum noch Realrendite zu erzielen und auch Aktienbewertungen sind durch lang laufende Rückkaufprogramme der Unternehmen verbunden mit hohen Liquiditätsbeständen gestiegen. Natürlich finden sich auch in einigen Schwellenländern hohe Verschuldungen. Wenn man beispielsweise China noch zu den Schwellenländern rechnen darf, dann sollten Anleger den hochverschuldeten Staats,- Unternehmens- und Immobiliensektor berücksichtigen.

Viele Emerging Markets haben aber speziell aus Sicht der demografischen Entwicklung Vorteile gegenüber den entwickelten Märkten. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist meist sehr viel jünger und die aufstrebenden Schichten werden beispielsweise in Asien kulturell streng zu Ehrgeiz und Fleiß erzogen. Es entwickelt sich mit zunehmendem Bildungsstand eine besser verdienende und stärker konsumierende Mittelschicht. Das kurbelt die Wirtschaft an. Auch die Wahrscheinlichkeit, bei der enormen Bevölkerungsdichte in China oder Indien mit einem verbesserten Bildungsstand künftig häufiger herausragendes Know How zu generieren, ist weitaus größer als es beispielsweise die überalterte Bevölkerung in Europa schaffen könnte.

Sicherlich gibt es auch nach wie vor eine Menge unsichere Faktoren für die Schwellenländer. Beispielsweise mangelhafte politische Stabilität, Korruption, aber auch Handels- und Währungsabhängigkeiten. Ein zunehmender Binnenhandel innerhalb der asiatischen Region hat in den letzten Jahren die Handelsabhängigkeiten reduziert.

Ein Großteil der Verschuldung der Schwellenländer ist über den US-Dollar fakturiert. Steigt dieser in seinem Außenwert, dann steigt die Zinsbelastung für Schwellenländer. In den letzten Jahren konnte auch diese Abhängigkeit durch Refinanzierungen merklich zurückgefahren werden.

Da diese Märkte nicht so stark im Fokus stehen wie die alteingesessenen, entwickelten Märkte, finden sich in den Schwellenländern häufiger und vor allem einfacher günstige, solide Unternehmen mit Potential. Diese Besonderheit bietet erfahrenen Fondsmanagern gute Möglichkeiten, in diesen Märkten Outperformance zu generieren. Zudem weisen Schwellenländermärkte und entwickelte Märkte meist niedrige Korrelationen zueinander aus und können damit einen wichtigen Diversifikationsbeitrag im Portfolio leisten. Gerade wegen der Langfristigkeit bei der Altersvorsorge sollten Emerging Markets einen Baustein in der klassischen Asset-Allokation darstellen.

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