Ein turbulentes Jahr ist zu Ende gegangen. Für genug Gesprächsstoff sorgten neben der Geldpolitik der Notenbanken und politischen Konflikten, die Griechenland-Krise, die Wachstumsabschwächung Chinas, die enormen Flüchtlingsströme sowie Terroranschläge in Europa und rezessive Tendenzen in den Schwellenländern. Kein Wunder also, dass die Aktien und Anleihe-Märkten teilweise sehr verstimmt reagierten.

Grundsätzlich sind wir für das neue Jahr verhalten positiv gestimmt, erwarten aber ähnliche Turbulenzen an den Finanzmärkten wie dieses Jahr. Die geringere Dynamik Chinas und die Krisen einiger Schwellenländer haben der Konjunktur im exportorientierten Kerneuropa zwar einen erheblichen Dämpfer verpasst, ändern aber nichts daran, dass das fundamentale Umfeld für Aktien der Eurozone positiv bleibt. Rückenwind bekommen die europäischen Unternehmen neben den niedrigen Energiepreisen und der Euro-Abwertung, durch das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie einen positiven Kreditzyklus und eine gestiegene Kaufkraft. Das Konsumentenvertrauen in der Eurozone befindet sich mittlerweile auf einem ähnlich hohen Niveau wie vor der Finanzkrise. Der Rückgang der Arbeitslosenquote in der Eurozone bringt zusätzlichen Stimulus. Innerhalb der Eurozone hat sich die Differenz zwischen Kern und Peripherie weitgehend aufgelöst. Wachstumsvorreiter sind mittlerweile die Reformstaaten Spanien und Irland, während Deutschland etwas zurückfällt.

Eine Zinswende wird in der Eurozone auch 2016 kein Thema werden. In den USA und Großbritannien sollte das Wachstum aufgrund eines im Vergleich zur Eurozone fortgeschrittenen Aufschwungs weiter anhalten. Die US-Binnenkonjunktur hat sich 2015 als robust erwiesen. Nachdem die US-Haushalte in den letzten Jahren Schulden abgebaut haben, hat sich ihre Finanzlage wesentlich verbessert. Den geringeren Schulden stehen steigende Vermögen gegenüber. Das sind positive Aussichten für den privaten Verbrauch. Auch der stabile Wohnungsbau und ein höherer Staatsverbrauch könnten im Wahljahr 2016 zu einer stabilen Konjunktur beitragen.

Die US-Notenbank hat sich im Dezember nach langem Zögern dazu durchgerungen ihre Zinsen erstmalig anzuheben. Dies war gut vorbereitet und hat niemand wirklich überrascht. Sowohl die Fed als auch die Bank of England werden ihre Leitzinsen 2016 weiter vorsichtig erhöhen. Im Gegensatz zu früheren Zyklen dürfte die Fed keine schnellen Zinsanhebungen anpeilen. Unerwartet schnelle Zinsschritte würden mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer deutlichen Aufwertung des USD und damit verbunden erneuten Druck bei Rohstoffen und Schwellenländermärkten führen. Ebenso würde der US-Export unter einem starken US-Dollar zu sehr leiden.

Während die westliche Welt ihre großen Finanzkatastrophen weitgehend überstanden hat, sind einige Schwellenländer im Jahr 2015 in eine tiefe Krise gerutscht. Ehemals hohe Rohstoffpreise hatten dazu beigetragen, viele Schwellenländer attraktiv erscheinen zu lassen. Das schwächere Wachstum in China, der Einbruch der Rohstoffpreise und der erstarkte Greenback bringen viele Schwellenländer in Bedrängnis und Investoren dazu Kapital abzuziehen. Neben einer Erholung bei den Rohstoffpreisen versprechen Einschnitte bei Staatsausgaben und Strukturreformen ein solideres Wachstum in den kommenden Jahren. China macht es vor und ist auf dem Weg sich zu modernisieren. Dabei verlagern sich die Nachfrageimpulse langsam von den teilweise staatlich gesteuerten Investitionen und der Ausfuhr stärker hin zu Dienstleistungen. Dies kostet Wachstum; eine harte Landung ist aber eher unwahrscheinlich.

Bei leicht steigenden Rohstoffpreisen speziell im Energiebereich wird die Inflationsrate in 2016 moderat anziehen. Angesichts eines reichlichen Angebots an Rohstoffen gibt es aber keinen Grund für einen Preisschock in 2016. Der leichte Inflationsdruck zusammen mit niedrigen Zinsen und stabiler Konjunktur ist für die Finanzmärkte tendenziell weiterhin positiv. Dennoch rücken im kommenden Jahr eine Menge politische Risiken wie die Ukraine-Krise, der Kampf gegen den Terror, der Rechtsruck in Europa sowie das britisches EU Referendum und die anstehende US Wahl in den Fokus. Insgesamt blicken wir mit verhaltener Zuversicht in das neue und sicherlich herausfordernde neue Jahr.

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