In diesem Jahr ist besonders der Juni ein wichtiger Monat für die Finanzmärkte. OPEC-Treffen und EZB-Sitzung liegen bereits hinter uns; im Nachgang als eher unspektakulär zu beschreiben. Wie erwartet beließen die Währungshüter den EZB-Leitzins zuletzt unverändert und die OPEC konnte sich wieder auf keine Förderobergrenze einigen. Die Blicke der Marktteilnehmer richten sich jetzt wieder auf die FED und ihre weitere Zinsstrategie. Die US-Notenbank ist in einer schwierigen Position. Die Wirtschaftsdaten in den USA scheinen das Risiko einer Zinserhöhung im Sommer zu rechtfertigen, aber die internationalen Auswirkungen könnten die FED dazu bewegen, vorerst abzuwarten. Die Erwartungen zeigen, dass mittlerweile die Mehrzahl der Investoren mit einem Zinsschritt frühestens im Juli rechnen.

Die spannenderen Themen bis dahin bietet allerdings die Politik in Europa. Das UK-Referendum und die spanischen Parlamentswahlen stehen in den nächsten Wochen im Fokus. Am 23. Juni stimmen die Briten ab, ob sie aus der EU austreten wollen. Das sorgt für Volatilität beim britischen Pfund, kann aber ebenso auf die Aktien- und Anleihemärkte, wenn auch nur temporär, Auswirkungen haben. Zumal selbst bei einem Austritt die endgültigen Vertragsdaten und die damit zusammen hängenden wirtschaftlichen Auswirkungen bis zu drei Jahre dauern dürften. Die Bethmannbank taxierte das Risiko eines EU-Austritts der Briten zuletzt auf knapp 35 %. Mit den Neuwahlen in Spanien, dem Bewältigen des europäischen Flüchtlingsstromes und dem unkonventionellen US-Präsidentschaftswahlkampf drohen anschließend weitere politische Baustellen.

In den vergangenen Wochen haben sich die Aktienmärkte tendenziell seitwärts entwickelt. Aufgrund der Niedrigzinsphase bieten Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen immer noch das attraktivere Angebot. Andererseits lösen die zukünftigen Gewinnaussichten der Unternehmen keine übermäßige Begeisterung aus, obwohl die Bewertungen vertretbar sind. Speziell die enorme Diskrepanz zwischen renditebereinigten Zinszahlungen im festverzinslichen Bereich und Dividendenrenditen erhöhen die Attraktivität der Aktie vor allem aus Sicht des Cash-Flow-Anlegers weiter. Die Dividendenrendite des Dax ist mit aktuell 3% wesentlich attraktiver als die jährliche 0,5 -0,8% Rendite bei Investmentgrade-Unternehmensanleihen mit ca. 5 jähriger Laufzeit. Staatsanleihen und Pfandbriefe bewegen sich bereits deutlich im negativen Renditeterrain bzw. auf der Null-Linie. Erstmals seit acht Wochen sind jüngst wieder verstärkt frische Gelder in den Aktienbereich geflossen, was auf die aktuell sehr vorsichtige Positionierung vieler institutioneller Anleger im Vorfeld des Brexit hinweist. Entscheiden sich die Briten für einen Verbleib in der EU, könnte eine Entspannungsrally an den Börsen einsetzen. Zudem sollten sich im zweiten Halbjahr die Gewinnaussichten der Unternehmen wieder aufhellen, getrieben von einer besseren Situation an den Energie- und Rohstoffmärkten. Marktteilnehmer befürchteten, dass sinkende Ölpreise auf eine konjunkturelle Abschwächung hindeuten könnten. Der Trend weltweit steigender Öl-Nachfrage ist intakt und spricht gegen diese Überlegungen. Die fallenden Preise werden immer noch auf der Angebotsseite verursacht, da seit Jahresbeginn 2014 mehr Öl produziert als nachgefragt wird. Die jüngsten Produktionsausfälle haben die Ölpreise erst einmal stabilisiert.

Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen aus Deutschland und den USA bewegen sich mehr oder weniger auf niedrigen Zinsniveau seitwärts. Die Emissionstätigkeit bei Bank- und Unternehmensanleihen hat erheblich zugenommen, was für diese Jahreszeit nicht untypisch ist. Die Renditen bleiben auch zukünftig niedrig, die Risikoaufschläge sind stabil, und die Renditekurve ist flach. Bonitätsschwächere Unternehmensanleihen stellen eine der wenigen Anleiheklassen dar, in denen überhaupt die Möglichkeit besteht eine halbwegs attraktive Rendite bei erhöhten Risiken zu generieren.

Zu Jahresbeginn bestimmten drei Faktoren die Märkte: Zentralbanken, Rohstoffe und China. Die ersten beiden spielen nach wie vor eine große Rolle, aber China scheint inzwischen weniger Anlass zur Sorge zu geben. Die Yuan-Abwertungen schürten Angst vor schwächerem Wachstum in China. Hier steht aber nach wie vor keine harte wirtschaftliche Landung bevor. Die Umstrukturierung von der Export- zur Dienstleistungsnation ist in vollem Gange und kostet vorübergehend Wachstum. Die international registrierten Rekordsummen, die in den vergangenen zwei Jahren weltweit für Übernahmen von Aktiengesellschaften bezahlt wurden, erklären sich aus der sehr expansiven Geldpolitik der Notenbanken und haben die Märkte entsprechend angetrieben, bleibt aber innerhalb der historischen Bewertungsrelationen. Ebenso lässt sich diese Liquiditätsflut bei der Entwicklung der Immobilienpreise, sowohl in den USA und Großbritannien, in den größeren Städten Chinas, aber auch in den Metropolen Europas, erkennen. Das Wertsteigerungspotenzial bei Immobilien in europäischen Toplagen erscheint, angesichts einer jährlichen Durchschnittsrendite von nur noch ca. 2%,weitgehend ausgereizt. Aktien kann man vor diesem Hintergrund gegenüber Immobilien und vor allem Anleihen als vernachlässigt bezeichnen.

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