Rückblick
Ein turbulentes 1. Halbjahr 2016 geht zu Ende. Schwache Ölpreise sowie eine Hängepartie bei der US-Geldpolitik verbunden mit inkonsistenten chinesischen Wachstumszahlen sorgten global für deutliche Abgaben bei Aktien bis Mitte Februar diesen Jahres. Petrodollar-Verkäufe zur Finanzierung der Haushaltsbudgets der Ölförderländer erfolgten in erheblichem Ausmaß. Fundamentale Abgabegründe waren somit weniger ausschlaggebend. Auf diesen schwachen Jahresstart bis Mitte Februar folgte mit einhergehendem Rebound der Rohstoffe eine Markterholung, die durch die Unsicherheiten im Vorfeld der Brexit-Diskussion und dem anschließenden Ergebnis vorerst beendet wurde. Diese Situation, verbunden mit den schwer einzuschätzenden internationalen Konsequenzen, haben ausländische Investoren zu einer Flucht in vermeintlich sichere Anlageklassen (allen voran Edelmetalle und deutsche Bundesanleihen) veranlasst. Europäische, Skandinavische und Schweizer sowie die meisten asiatischen Aktienmärkte liegen seit Jahresanfang währungsbereinigt deutlich im Minus, während sich ihre amerikanischen Pendants währungsbereinigt auf der Nulllinie bewegen. Einige 2015 stark vernachlässigten Schwellenländer konnten teilweise erheblich von Rohstoffwende profitieren. Unser ausgewogenes Multi-Manager-Portfolio hat dieses schwankungsintensive erste Halbjahr mit einer Performance von -1,5% und einer Aktienquote von knapp 50% per Ende Juni gut überstanden.

Ausblick
Das Ausstiegs-Votum der Briten führte nicht zu der erhofften politischen Planungssicherheit nach der Abstimmung, sondern verursacht nun weitere Machtkämpfe im britischen Parlament. Pro EU-Petitionen bei Teilen der Bevölkerung und eine eventuelle Spaltung GB und Schottlands stehen im Raum. Die ohnehin schwierige Verhandlungsposition mit der EU wird dadurch zusätzlich belastet. Kurzfristig wird diese verfahrene Situation die Nervosität bei Investoren nicht nachhaltig abbauen und bedeutet in Konsequenz weiterhin hohe Schwankungen an den Börsen. Der mit dem Brexit-Votum verbundene Anstieg des US-Dollars stellt auch die anstehende Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank noch einmal auf den Prüfstand und wird unseres Erachtens eine Aufschiebung bewirken. Auch die britische Notenbank wird sich bei einem Inkrafttreten des Artikels 50 Gedanken über expansive geldpolitische Maßnahmen machen müssen, um die britische Wirtschaft auf Kurs zu halten und das bestehende Leistungsbilanzdefizit nicht zu stark ausufern zu lassen. Ebenso wird in Brüssel mit der, durch einen letztendlichen Ausstieg der Briten, geschwächten internationalen Position der EU ein restriktiveres fiskalpolitisches Vorgehen noch weiter in den Hintergrund gerückt. Trotz aller Unsicherheit zeichnen sich derzeit aber keine fundamentalen Anzeichen für eine bevorstehende globale Rezession ab, auch vor dem Hintergrund eines historischen Vergleichs zu den Crashjahren 2000 und 2008. Die europäischen Unternehmen sind aktuell nicht hoch bewertet und die Cashquoten der institutionellen Investoren liegen zudem auf 15-Jahreshoch. Die Tiefstände bei den Rohstoffpreisen wurden überwunden und eine Trendwende scheint vollzogen. Es lassen sich also wenige Gründe für erhöhten Verkaufsdruck bei Aktien ausmachen, zudem dürfte das Zinsniveau auch zukünftig niedrig und Anleihen damit als Anlagealternative unattraktiv bleiben. All diese Argumente sollten ein moderat positives Umfeld für Aktien schaffen und für eine freundliche Bewegung im 2. Halbjahr 2016 sorgen, sobald die Märkte den Brexit-Schock langsam verdaut haben. Wir bleiben auf mittlere Sicht "PRO-Aktien" investiert.

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