So basteln wir den Kindern eine Zukunft

Ob Bausparvertrag, zu wenig Taschengeld oder Ausbildungsversicherung: Eltern können bei der Geldanlage für ihre Kinder viele Fehler machen. So geht es richtig

Von Anne Kunz und Karsten Seibel

Viele Kinder tragen noch Windeln, da schließen ihre Eltern, Großeltern und Paten munter Lebensversicherungen, Sparbriefe und Bausparverträge ab. Der Reflex ist verständlich. Dem Nachwuchs soll es später an nichts fehlen. Der Führerschein will genauso finanziert sein wie die Ausbildung, der Auslandsaufenthalt und am besten auch gleich das Eigenheim. Doch hier gilt wie so oft im Leben: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Der Nachwuchs ist nicht nur für die Familie ein Grund zur Freude, sondern auch für Banken und Versicherer. Jede Geburtsanzeige ist das Signal zur Kundenjagd. Die Finanzbranche wirbt dazu mit klangvoll verpackten Angeboten wie Hipp-Baby-Sparbuch und Tabaluga-Versicherung um die Gunst der treu sorgenden Verwandtschaft.
Dabei ist Vorsicht geboten. Die Produkte sind oft teuer - auch Banken und Versicherer wissen, dass kaum jemand auf den Preis achtet, wenn es um das Wohl der Kleinen geht. Zudem sollte niemand im Streben nach einer gesunden finanziellen Basis für die Kleinen eines vergessen: Mindestens genauso wertvoll wie ein gut gefülltes Sparbuch oder eine üppige Police ist, dass die Kinder den täglichen Umgang mit Konten, Karten und Aktien lernen.

Das sind die elf Regeln, damit aus Ihren Kindern gute Sparer werden.

Kinder müssen verzichten lernen

Wer heute verzichtet, hat künftig mehr. Das ist der Grund, warum so viele Menschen sparen. Kinder sollten daher lernen, was für positive Effekte Verzicht haben kann. "Eltern und Paten sollten schon früh ihre Kinder mit Objekten zur Wertaufbewahrung vertraut machen", sagt der Düsseldorfer Vermögensverwalter Lothar Koch. Das können Silbermünzen sein, die sie zur Taufe oder Kommunion bekommen und dann sorgfältig hüten. Auch Aktien hält Koch für Finanzerziehung wichtig. "Sie bekommen so schon früh ein Gefühl für grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge." Am besten eignen sich Papiere von einem Unternehmen, mit denen sie etwas anfangen können. Wie groß ist die Freude, wenn Tochter oder Sohn wissen, dass ihnen selbst ein winziger Teil jenes Unternehmens gehört, dessen Produkt sie beispielsweise gerade trinken. Mit Aktien von Coca-Cola konnten Anleger in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas falsch machen.

Mit 50 Cent pro Woche beginnen

Ein wichtiger Bestandteil des Lernprogramms ist das Taschengeld. Eltern sollten nicht davor zurückschrecken, schon früh ihrem Nachwuchs kleine, eher symbolische Geldsummen anzuvertrauen. Spätestens zum Schulanfang sollten die Kinder ihr erstes Taschengeld bekommen, es geht auch schon früher. So wird vom Jugendamt empfohlen Vier- und Fünfjährigen 50 Cent pro Woche in das Sparschwein zu werfen. Bei Achtjährigen können es dann schon drei Euro pro Woche sein. Ist das Kind älter, wird empfohlen, Taschengeld - wie später das Gehalt - monatlich zu zahlen. Bei Zehnjährigen gelten 13 bis 16 Euro als üblich, bei Vierzehnjährigen 25 bis 30 Euro. Das allerdings sind nur Richtwerte. Entscheidend ist nicht nur die Einkommenssituation der Eltern, sondern auch, ob der Jugendliche sich nebenher selbst etwas dazuverdient. Die Höhe kann sich auch je nach Wohnort unterscheiden. So ist eine Kugel Eis in München teurer als in Schwerin. Hilfreich ist auch zu wissen, wie viel die Freunde und Mitschüler des Kindes bekommen.
Ein häufiger Fehler von Eltern ist, dass Taschengeld zu missbrauchen, um ihr Kind zu bestrafen oder zu belohnen - etwa für gute Leistungen in der Schule oder artiges Benehmen. Dafür ist es jedoch nicht gedacht. Es geht um den Umgang mit Geld. Deswegen sollte es immer wie verabredet gezahlt werden. Experten weisen zudem darauf hin, dass sich Eltern auch nicht zu Taschengeld-Vorschüssen, die im Prinzip einem Kredit entsprechen, überreden lassen sollen. Die Kinder müssen schließlich lernen, ihren Verbrauch ihren finanziellen Mitteln anzupassen und nicht einfach jemanden anzupumpen.

Frühzeitig den Umgang mit Konto und Karte lernen

Der siebte Geburtstag ist eine wichtige Wegmarke zur finanziellen Unabhängigkeit: Dann ist jeder geschäftsfähig, wenn auch noch eingeschränkt, und kann - gemeinsam mit den Eltern - bei einer Bank ein Konto eröffnen. Es gibt die erste Sparkarte mit eigenen Namen. Mit ihr können die Kinder zwar noch kein Geld am Automaten ziehen, aber sich in der Filiale etwas auszahlen lassen. Alles noch mit eingebauter Kindersicherung: Die Eltern können festlegen, wie viel die Tochter oder der Sohn pro Woche oder Monat abheben dürfen. Schließlich sollen nicht alle Ersparnisse für Spielsachen oder Süßigkeiten draufgehen. Auch so lernen Kinder mehr oder weniger spielerisch, den Umgang mit Konten, Banken und der Endlichkeit des Geldes.
Eine EC-Karte gibt es bei den meisten Banken dann mit zwölf Jahren, bei einigen auch erst mit 14 Jahren. Dann öffnen sich nicht nur Geldautomaten. Auch Überweisungen von einem Konto auf das andere sind möglich. Einige Einschränkungen gibt es aber immer noch: Der Kontostand kann beispielsweise nicht ins Minus rutschen. Ganz gleich, wie sie heißen, ob Taschengeld-, Schüler- oder Jugendkonto, einen Dispokredit räumt keine Bank einem Kind oder Jugendlichen ein, und eine Kreditkarte wird auch nicht ausgehändigt. Einige bieten eine Prepaid-Kreditkarte, die vom Konto aufgeladen werden kann, um beispielsweise auch beim Schüleraustausch im Ausland zahlen zu können.

Die Bank auch schon in jungen Jahren wechseln

Um Eltern und Kinder bei Laune zu halten, lassen sich Banken viel einfallen. Das fängt direkt nach der Geburt an. Die Commerzbank beispielsweise bietet seit vielen Jahren das "Hipp Mein Baby Sparbuch" an. Darauf können bis zu 10.000 Euro angelegt werden, die immerhin noch mit 0,55 Prozent verzinst werden - das Ganze läuft aber nur bis zum dritten Geburtstag. Die Hamburger Sparkasse hat das "Mäusekonto" im Rennen. Hier gibt es sogar drei Prozent und das bis zum 14. Lebensjahr. Dafür sind aber auch die Grenzen für diesen Spaß enger gesetzt: Das gilt nur bis zu einem Betrag von 500 Euro. Hat das Kind mehr auf dem Konto, wird jeder weitere Euro gerade noch mit 0,03 Prozent verzinst. Die Lehre daraus: Wenn die attraktiven Kinderkonten an ihre Grenzen stoßen, unbedingt Angebote anderer Banken vergleichen - und nicht vor einem Wechsel zurückschrecken.

Finger weg von Kinderpolicen

Auch Versicherer warten mit allerlei Spezialprodukten für Kinder auf. Besonders beliebt sind Ausbildungsversicherungen. Eltern oder Großeltern zahlen Monat für Monat einen gewissen Betrag ein, dafür erhalten die Kinder zu Beginn der Ausbildung eine feste Summe oder im weiteren Verlauf des Studiums eine monatliche Überweisung. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten, der sich dem Schutz der Verbraucher verschrieben hat, spricht von "legalem Betrug" in Zusammenhang mit Kindertarifen. Besonders perfide seien Konstruktionen, die Beiträge nicht nur bis zum Beginn der Ausbildung, sondern gleich bis zum Rentenbeginn des Kindes vorsehen - also in rund 60 Jahren. Dann sei die Beitragssumme besonders hoch und damit die Provision für den Vermittler besonders üppig. Die Abschlusskosten schmälerten den Wert solcher Verträge sehr schmerzhaft und ließen einen echten Spareffekt erst in vielen Jahren erwarten.
Klassische Lebensversicherungen sind aber nicht nur teuer, sondern werden auch seit Jahren immer schlechter verzinst. Der Garantiezins beträgt mittlerweile gerade noch 0,9 Prozent. Zudem, so ein weiterer Vorwurf Kleinleins, unterstellen Versicherer bei solchen Policen unrealistisch lange Lebenserwartungen von weit über 100 Jahren: "Ein Rentenvertrag rentiert sich dann nur, wenn das Neugeborene mindestens die 20er-Jahre des nächsten Jahrhunderts erlebt."

Schutz ja, aber richtig

Grundsätzlich gilt für Kinder das gleiche wie für Erwachsene: Sparen für die Ausbildung oder das Alter ist das eine, die Absicherung gegen Risiken des Lebens das andere. Mithilfe teurer Kombiprodukte wird gerne versucht, dem Kunden - ob jung oder alt - beides in einem zu verkaufen. Das ist keineswegs ein Plädoyer gegen Versicherungen. Natürlich soll jedes Kind vor hohen Ausgaben wegen Krankheit, Unfällen und späterer Berufsunfähigkeit geschützt werden.
Doch manche Produkte gehen am eigentlichen Ziel vorbei: Die oft verkaufte Unfallversicherung ist ein gutes Beispiel dafür. Ein Kind soll finanziell abgesichert sein, falls es zu einem Unfall kommt und es plötzlich behindert und pflegebedürftig ist. Die Statistik zeigt allerdings, dass es sehr viel mehr Behinderungen wegen Krankheit als wegen eines Unfalls gibt. Passender ist deshalb eine Invaliditätsversicherung. Hier ist alles drin. Abhängig davon, wie das Kind krankenversichert ist, kann sich hier zudem eine Zusatzversicherung lohnen. Diese ist für Kinder deutlich günstiger als im Erwachsenenalter.

Das Risiko der Eltern unbedingt absichern

Geht es um den Schutz der Kinder, dürfen Eltern sich selbst nicht vergessen. Kann der Ernährer seinem Beruf nicht mehr nachgehen oder kommt gar ums Leben, verdüstert sich mit einem Schlag auch die Zukunft des Nachwuchses. Eine Risikolebensversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind deshalb für Eltern unerlässlich - genauso wie eine private Haftpflichtversicherung. Wer eine solche Police nicht hat, gefährdet die ganze Familie. Mit ihr schützt sich jeder vor Schäden, die er anderen Menschen oder deren Eigentum zufügt. Bei einem Unfall können die Summen schnell in die Hunderttausende gehen. Deshalb wichtig: Nicht vergessen, nach der Geburt des Kindes die eigene private Haftpflichtversicherung auf eine Familienpolice umzustellen. Dann ist die Haushaltskasse auch vor Zahlungen für Schäden abgesichert, die der Nachwuchs anderen zufügt.
Apropos Haushaltskasse: Rein theoretisch sollten die Eltern alles daran setzen, erst ihre Kredite zurückzuzahlen, bevor sie größere Summen auf ein Sparbuch für den Nachwuchs legen. Denn Kreditzinsen, die sie an eine Bank zahlen, übersteigen in der Regel den Zins, den sie von der Bank für das Geld auf dem Sparkonto bekommen. Wobei die Frage ist, für was der Kredit aufgenommen wurde. Wenn er zur Finanzierung von nicht unbedingt notwendigen Anschaffungen dient, ist es sinnvoller, diese Ausgaben einzuschränken und stattdessen ein finanzielles Polster für die Kinder zu schaffen.

Nicht viel, aber regelmäßig investieren

Eltern sollten sich in ihrer Großzügigkeit zügeln und nicht einen zu großen Anteil ihres Einkommens für ihre Kinder beiseiteschaffen - er könnte dann an anderer Stelle fehlen. "Wichtig ist, dass regelmäßig der gleiche Betrag gespart wird", sagt der Kölner Vermögensverwalter Maik Bolsmann. Dafür bieten sich Sparpläne an, bei denen jeden Monat 25 oder 50 Euro auf ein Konto fließen. Das Problem: Das reine Zinssparen lohnt sich wegen der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch. Wer auf einem Tagesgeldkonto noch einen halben Prozent von seiner Bank bekommt, kann sich dieser Tage glücklich schätzen.
Eine Alternative sind Wertpapiersparpläne. Hier wird Monat für Monat ein fester Betrag vom Konto der Eltern, Großeltern oder Paten abgebucht und dafür Fondsanteile gekauft. Dabei ist auf zwei Dinge zu achten. Erstens sollte ein solcher Wertpapiersparplan nach Möglichkeit bei einer Direktbank, nicht bei einem Filialinstitut eingerichtet werden. Hier liegen die Gebühren in der Regel deutlich niedriger.
Zweitens sollte das Geld in einen Indexfonds fließen, also eine Anlage, die stur einen Börsenindex wie den Dax nachbildet, und nicht in einen klassischen Investmentfonds, bei dem ein Manager einzelne Aktien auswählt. Auch das ist eine Kostenfrage. Die Verwaltung eines Indexfonds kostet nur ein Zehntel dessen, was für die Dienste eines Managers jährlich aufgebracht werden muss. Zum anderen zeigt die Vergangenheit, dass es ohnehin kaum einem Investmentprofi gelingt, den Vergleichsindex zu schlagen.
Wer langfristig sparen möchte, sollte für den Sparplan einen möglichst breiten Aktienindex wählen, etwas den globalen Index MSCI World, in dem Aktien von Unternehmen aus aller Welt enthalten sind. "Regelmäßig einen eher kleinen Betrag in einen Wertpapiersparplan zu stecken hat den positiven Nebeneffekt, dass bei hohen Kursen, wenn Aktien oder Anleihen relativ teuer sind, weniger Fondsanteile gekauft werden. Bei niedrigen Kursen hingegen werden dann mehr Anteile zu günstigeren Einständen gekauft", sagt Vermögensverwalter Bolsmann.

Früh mit dem Sparen anfangen

Wie erfolgreich Eltern und Großeltern das Geld der Kleinsten vermehren, hängt maßgeblich davon ab, wie lange sie es anlegen und welche Renditechancen sie der Anlage geben. Das zeigt ein Vergleich zwischen einem Sparkonto mit einem angenommenen Zins von 0,5 Prozent pro Jahr und einem Aktiendepot, bei dem über längere Sicht eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent realistisch erscheint, was eine eher konservative Annahme ist. Einzelne Verlustjahre können natürlich immer vorkommen.
Werden für das Kind von Geburt an monatlich 50 Euro zur Seite legt, hat es an seinem 18. Geburtstag entweder ein Sparkonto, auf dem rund 11.300 Euro liegen, oder ein Aktiendepot im Wert von mehr als 17.300 Euro. Das ist ein Unterschied von gut 6000 Euro. Zu bedenken ist die Zeit, die noch bis zum 18. Geburtstag des Nachwuchses bleibt: "Je kürzer desto konservativer", rät Vermögensverwalter Bolsmann. Ansonsten können Kurseinbrüche an den Börsen womöglich nicht mehr ausgeglichen werden. "In vielen Fällen bleibt dann trotz Niedrigzinsen nur das Sparkonto", sagt er.

An das Finanzamt denken

Manche Eltern und Großeltern scheuen davor zurück, das Konto oder das Depot von Anfang an auf den Namen des Kindes laufen zu lassen. Denn dann ist klar: Mit 18 Jahren kann es mit dem mühsam Ersparten machen, was es will. "Für viele Eltern ist das ein Überraschung. Sie wollen dann plötzlich, dass ihr Kind erst mit 25 Jahren an das Geld kommt, doch das ist nicht möglich", sagt Geldexperte Bolsmann. Trotzdem rät er, Depots und anderen Sparprodukte immer auf den Namen des Kindes eintragen zu lassen - vor allem aus steuerlichen Gründen. So gilt auch für Kinder ein Freibetrag von 801 Euro bei Kapitalerträgen und die grundsätzliche steuerliche Freigrenze von aktuell 8820 Euro.

Nach Geschenken vom Staat Ausschau halten

Kommt der Nachwuchs ins Jugendalter, kann auch ein Bausparvertrag interessant sein. Ab 16 Jahren ist es möglich, gerade bei kleinen Beträgen die staatliche Wohnungsbauprämie zu beantragen. Sie liegt bei 8,8 Prozent der jährlich angesparten Summe von maximal 512 Euro. Wer diesen Zuschuss vom Staat nutzt, kommt schon in jungen Jahren auf eine üppige Rendite, unabhängig vom Zins.
Dafür gibt es zwei Voraussetzungen: Zum einen muss das Geld tatsächlich "wohnungswirtschaftlich" verwendet werden. Dazu zählen etwa der Kauf oder Bau eines Eigenheims. Wer dies später nicht will, muss die Prämie zurückzahlen. Zum anderen darf das zu versteuernde Jahreseinkommen 25.600 Euro nicht übersteigen - was bei Jugendlichen ein geringeres Problem sein dürfte.

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