Autor: Jan-Patrick Weuthen, Senior-Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln.

Ein Thema, mit dem sich klassische Vermögensverwalter zunehmend auseinandersetzen müssen, betrifft die sogenannten Robo Advisor, auf Deutsch: Robo Berater.

Unter diesem Begriff verbergen sich automatisierte Online-Plattformen, die ihrer Zielgruppe versprechen, günstig und transparent Vermögen ohne menschlichen Eingriff anzulegen und zu verwalten.
Also eine Digitalisierung ohne Emotionen. In den USA ist bereits 2008 der erste Robo Advisor gestartet. Laut Branchenexperten lag das weltweit verwaltete Volumen aller Robo Advisor Anfang 2016 bereits bei über 30 Milliarden Dollar. Bis 2020 wird mit Steigerungen auf bis zu 500 Milliarden Dollar gerechnet. Das ist, gemessen am international verwalteten Vermögen, zwar noch überschaubar, die Dynamik ist aber beeindruckend.

Oft nur ein Vertriebskanal

Robo Advisor sollten allerdings differenziert betrachtet werden. In Deutschland haben gerade einmal vier Anbieter eine Finanzportfolio-Verwaltungslizenz der Bafin und sind somit vergleichbar mit klassischen Vermögensverwaltern. Die Vielzahl der Anbieter agiert als Vertriebskanal für Produktanbieter.

Man unterscheidet die Online-Tools anhand ihrer Funktionalität in Self-Service-Tools, die nur eine Auswahlhilfe für Anlageprodukte bieten, Half-Service-Tools, die auch Empfehlungen abgeben und die Full-Service-Tools, die die Umsetzung von Anlagestrategien eigenständig durchführen. Dafür werden vereinfachend meist ETF und keine Einzelaktien verwendet. Vereinzelt nutzen Robo Advisor auch aktive Fonds, bei denen paradoxer Weise dann wieder Menschen die Anlageentscheidung treffen.

Defizite bei der Bedarfsanalyse

Das Deutsche Institut für Service-Qualität kommt in einer Studie zum Ergebnis, dass es deutliche Defizite bei der Online-Bedarfsanalyse und Risikoaufklärung der Kunden gibt und Kostenaufstellungen nicht klar verständlich sind. Kostenanalysen zeigen zudem wenig Vergütungsunterschiede zu unabhängigen Vermögensverwaltern.

Eine individuelle Abstimmung der Anlagestrategie auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse ist ebenfalls kaum umsetzbar. Interessant dürften die Anlageergebnisse der algorhytmus-getriebenen Robo Advisor im Falle eines ausgewachsenen Crash-Szenarios an den internationalen Aktien- und Anleihemärkten werden.

Anleger sollten nicht vergessen, dass trotz einer robusten Weltwirtschaft mittlerweile einer der längsten Börsenaufwärtstrends läuft, der zu nicht unerheblichen Teilen durch enorme Geldmengen internationaler Notenbanken sowohl die Aktien- als auch Anleihebewertungen auf ambitionierte Niveaus getrieben hat. Um nicht einer Black Box sein Erspartes anzuvertrauen, ist es ratsam, ausreichend Informationen über das programmierte Anlageverhalten zu sammeln, denn Vertrauen spielt bekanntlich in diesem Metier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

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