Es ist mal wieder soweit. Die jährliche Dividendensaison steht vor der Tür.

Wie gewohnt übertrumpfen sich die deutschen Unternehmen von Jahr zu Jahr. Auch 2018 steht für die DAX-Unternehmen mit voraussichtlich über 46 Milliarden Euro ein neuer Ausschüttungsrekord an.

Zinsen und DividendenEine Steigerung von neun Prozent gegenüber 2017. Die vier größten Dax-Zahler (Allianz, Daimler, Deutsche Telekom und Siemens) werden dabei knapp 30 Prozent der Gesamtsumme ausmachen. In den letzten Jahren sind diese erfreulichen Ausschüttungen gerade bei Großinvestoren, aber auch bei Privathaushalten ein willkommener Zinsersatz, denn die für Sparer schmerzliche Niedrigzinsphase geht mittlerweile ins neunte Jahr. Marktteilnehmer fragen sich zu Recht, ob diese Ausschüttungsorgien auch zukünftig so weitergehen können.

Zur Beantwortung dieser Frage sollten sich Anleger vor Augen führen, woher diese hohen Summen stammen. Unternehmen zahlen einen Teil ihrer Gewinne in Form von Dividenden. Die robuste Weltkonjunktur der letzten Jahre hat gerade der exportlastigen deutschen Wirtschaft enorme Gewinne beschert. Werden diese Gewinne in den Unternehmen nicht operativ neu investiert, in Aktienrückkäufe gesteckt oder an die Mitarbeiter ausgezahlt, dann ist die Ausschüttung, wie derzeit, besonders hoch.

Es gab auch schon andere Zeiten
Dass es auch Jahre mit rückläufigen Dividendenzahlungen geben kann, mussten Aktienanleger 2008 und 2009 während der Finanzkrise feststellen. Unternehmen verloren Aufträge, machten teilweise Verluste. Rückstellungen mussten gebildet werden. Der Weltkonjunkturmotor geriet vorübergehend ins Stocken. Seit 2010 schütteten die deutschen Unternehmen, mit Ausnahme des Jahres 2013, wieder jährlich steigende Dividenden aus. Anleger sollten dennoch mit der nötigen Sorgfalt ihre Aktien auswählen, denn die derzeit auf Hochtouren laufende Weltkonjunktur wird auch wieder wachstumsschwächere Zeiten sehen.

Gewinne werden künftig langsamer wachsen
Eine leichte Abnahme der Wachstumsdynamik zeichnet sich bereits ab. Gewinne werden zukünftig wieder langsamer wachsen. Dieser Prozess könnte durch ausufernde globale Handelsbeschränkungen noch verstärkt werden. Besonders zyklische Geschäftsmodelle würden dann leiden. Geringere Gewinne sind mit geringeren Dividendenzahlungen gleichzusetzen.

Investoren setzen in solchen Phasen deshalb gern auf defensive bzw. konservative Geschäftsmodelle, die nicht zu sehr von der konjunkturellen Zyklik abhängen. Zudem können Anleger die Ausschüttungshistorie der Unternehmen prüfen, um nachhaltige Dividendenzahler zu finden. Sollten in absehbarer Zeit anziehende Zinsen die Investition in Anleihen als Alternative zur Dividende wieder attraktiver erscheinen lassen, dann drohen auch defensiven Aktien Mittelabflüsse, die wiederum zu Kursverlusten führen können. Noch bleibt die Weltwirtschaft aber robust, dennoch ist Vorsicht bei der Anlage anzuraten.

Jan-Patrick Weuthen Senior Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln.

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