Noch wirklich etwas für sein Geld bekommen: Inflationsgeschützte Anleihen machen es möglich. Sie gleichen mindestens die Geldentwertung aus. Eine Investition ist auch mit ETFs möglich.

Glaubt man einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (DIW) aus Dezember 2018, so bleiben die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig. Selbst bei einem Ausstieg der EZB aus der expansiven Geldpolitik liege das Potenzial für Zinssteigerungen gerade mal bei 1,3 Prozent. Mit Blick auf den demografischen Wandel wird der Realzins in 2050 gar auf 0,0 Prozent geschätzt. Der Realzins zeigt schonungslos das große Problem, dem sich der Kapitalmarkt als auch die Gesellschaft gegenübersieht – die Inflation.

Für Anleger heißt das: Zinsen gibt es keine, Inflation gefühlt jedoch schon. Real folgt daraus ein garantierter Wertverlust. Eine in diesem Zusammenhang immer häufiger diskutierte Möglichkeit zur Investition sind inflationsgeschützte Anleihen. Diese auch „Linker“ genannten Wertpapiere zahlen neben einem fixen Kupon eine variable Komponente, welche zum Beispiel an den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gekoppelt ist. Sowohl Zins als auch Nominal werden mit der sogenannten Indexverhältniszahl multipliziert. Auf diese Weise soll der Anleger vor stärkeren Anstiegen des allgemeinen Preisniveaus geschützt werden.

Doch wann lohnt sich die Investition in eine inflationsgeschützte Anleihe? Es gibt konkrete Szenarien, welche zu einem Anlageerfolg führen: Linker sind erfolgreich in einem Umfeld sinkender oder gleichbleibender Zinsen am Rentenmarkt bei gleichzeitig steigenden Erwartungen der Inflation. Bereits die Erwartung steigender Zinsen kann hier zu direkten Kursverlusten führen. Wagt man einen Ausblick auf 2019, sind Linker im Euroraum jedoch eine legitime Investitionsmöglichkeit.

EZB kann die Zinsen kaum erhöhen

Lag die Gesamtinflation in 2018 bei 1,8 Prozent und somit bereits nahe dem Ziel der EZB, verharrte die Kerninflation bei gerade einmal 1,0 Prozent. Auf letztere verwies die EZB stets bei ihren Konferenzen als Erläuterung für die weitere Nullzinspolitik der Notenbank. Darüber hinaus muss man sich die verzwickte politische Lage innerhalb der Eurozone anschauen. Während in den führenden Volkswirtschaften Europas die Stimmen für erste Zinserhöhungen lauter werden, würden die Staaten der europäischen Peripherie durch höhere Zinsen schnell in Bedrängnis gebracht.

Die EZB steht daher vor allem mit Blick auf das Time Lag ihrer Handlung bis zur Wirkung in der Realwirtschaft vor der Problematik, dass sie die Zinsen grundsätzlich graduell erhöhen müsste, dies aber nicht möglich ist. So erlaubt beispielsweise die prekäre Situation um den Staatshaushalt in Italien es aktuell nicht, einen nachhaltigen Umschwung in der Zinspolitik einzuleiten. Die Inflation könnte somit weiter steigen, ohne dass die Notenbank hier mit Zinserhöhungen Gegenmaßnahmen einleiten könnte.
Passende Produkte

Inflationsausgleich trifft erst einmal den Nerv eines eher vorsichtigen deutschen Anlegers. Im aktuellen Umfeld kann eine Investition zum Beispiel über einen Indexfonds (ETF) als sinnvolle Ergänzung der Rentenseite eines gut diversifizierten Depots dienen.

Für den europäischen Raum ist dies beispielsweise über den iShares Euro Inflation Linked Government Bond oder den Xtrackers Eurozone Inflation-Linked Bond UCITS ETF 1C physisch möglich. Anleger, die zudem einen Fokus auf die Emittenten-Bonität von Deutschland und Frankreich legen wollen, können dies z.B. über den synthetischen ETF von Lyxor EUR 2-10Y Inflation Expectations UCITS ETF tun.

Eine Generallösung für alle Zeiten ist diese Anlageklasse jedoch nicht.

Andreas Feldmann ist Portfoliomanager bei der B&K Vermögen GmbH in Köln.

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