Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es. Aktuell scheinen die Beine jedoch in einem Sumpf aus Machtspielchen, Protektionismus und provokanten Tweets festzustecken. Dort herauszukommen erfordert eine enorme Streckung.

Mit der Digitalisierung und Globalisierung ist es selbstverständlich geworden, als Unternehmen stets die gesamte Welt als potenzielle Kundschaft und Handelspartner zu sehen und dementsprechend zu agieren. Eine Studie der Unternehmensberatung PWC aus dem Jahr 2018 zeigt, dass bei den 24 im DAX gelisteten Industriekonzernen über 80 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt werden.

Die Automobilindustrie steht vor einer kompletten Neuausrichtung. Deutschlands Vorzeigeindustrie könnte ihre Vormachtstellung verlieren. Technologie und Industriegüter können günstiger in Asien produziert und erworben werden. Arbeitsplätze werden dementsprechend in das Ausland verlegt. Unternehmen wie Henkel, Hochtief, Leoni oder Stada beschäftigen über 80 Prozent ihrer Mitarbeiter außerhalb Deutschlands.

Datenschutz, Disruption oder Besteuerung kennen keine nationalen Grenzen. Sie verändern das bisherige Leben innerhalb der Grenzen zum Teil enorm und entfachen hitzige Diskussionen auf der politischen Ebene. Handelskriege mit Strafzöllen, wirtschaftliche Sanktionen oder die Formulierung neuer Grundsätze sind die Folge. Die Börsen reagieren adäquat.

Nicht bei jedem Tweet in Panik geraten
Wie also kann man als Anleger ruhig durch diese raue Zeit kommen? Wichtig ist es dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht gleich bei jedem wilden Tweet in Panik zu geraten. Investoren sollten eine rationale und eindeutige Strategie verfolgen und diese auch konsequent umsetzen. Während es in den letzten Jahren das Beste gewesen wäre, konzentriert in die FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) zu investieren, hat die zweite Jahreshälfte 2018 gezeigt, welches Risiko mit einer derartigen Konzentration auch verbunden sein kann. Eine breite Diversifikation mit Blick auf eine ausbalancierte Korrelation und Sensitivität wird dem Privatanleger deutlich mehr Kontrolle über den Investmenterfolg und weniger Volatilität geben.

Ausrichtung auf klassische Strategien
Bezogen auf den bereits weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklus, gepaart mit den steigenden Frühindikatoren für eine baldige potentielle Rezession, ist eine Ausrichtung auf deklaratorisch klassische Strategien sinnvoll. Es ergeben sich mit psychologisch getriebenen Kursrückgängen immer wieder gute Möglichkeiten, qualitativ hochwertige Unternehmen zu einem vergleichsweise günstigen Preis einzukaufen. Die Grenzen zwischen Growth, Value oder Quality verschwimmen jedoch immer mehr. In der Vergangenheit herangezogene Kennzahlen helfen nur noch wenig. Vielmehr muss individuell im Branchenvergleich geprüft werden, wie gesund und nachhaltig das Unternehmen positioniert ist. Die Disruption dient an dieser Stelle auch als Hilfestellung.

Letztlich entscheidet der Konsument, nicht die Politik
So gibt es Themenbereiche, die nicht mehr aufzuhalten sind. Digitale Innovationen im Bereich Security, Healthcare oder künstliche Intelligenz bestimmen mehr und mehr unseren Alltag. Hier ist stets zu prüfen, wie groß der tatsächliche Anteil des Segments am Gesamterfolg des Unternehmens ist, um möglichst in die Pure-Player des jeweiligen Themengebiets zu investieren. Neben konzentrierten Single-Themen-ETFs auf der passiven Seite zeigen hier aktive Themenfonds attraktive Modelle bei der Selektion der Marktführer im jeweiligen Gebiet.

Letzten Endes entscheidet der Konsument und nicht die Politik über den Erfolg oder Nicht-Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung und somit über den Erfolg eines Unternehmens.

Andreas Feldmann ist Portfoliomanager der B&K Vermögen GmbH in Köln.

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