Langfristig bleiben Aktien trotz hohen Schwankungen die attraktivste Anlageklasse. Dennoch wird auch das neue Jahr eine Herausforderung. Der Handelskonflikt zwischen den USA und großen Teilen der Welt dürfte auch in 2019 maßgeblichen Einfluss auf das Börsengeschehen nehmen. Marktteilnehmer hoffen auf eine Beilegung der Handelskonflikte, stellen sich aber im Gegenzug auch die Frage, wieviel Schaden die Volkswirtschaften bis dato schon genommen haben. Eine globale Rezession ist bis dato nicht in Sicht. Eine Wachstumsverlangsamung in 2019 betrifft laut OECD allerdings 20 der 35 der größten Volkswirtschaften. Laut den meisten Ökonomen soll die Weltwirtschaft dennoch mit deutlich über 2% wachsen. Andererseits stellen sich die Unternehmensbewertungen nach dem Abverkauf der letzten Wochen wieder günstig dar. Auffällig bleibt jedoch die Unternehmensverschuldung, die in den USA inzwischen höher ist, als vor der Finanzkrise.

Die negativen Marktentwicklungen der letzten Monate wiesen vorwiegend psychologischen Charakter auf. Zudem spielte die verstärkte Nutzung automatisierter Handelssysteme eine nicht unbedeutende Rolle. Der derzeitige offensichtliche Konjunkturpessimismus wird von der Mehrheit der namhaften Analysehäuser nicht geteilt. Die volkswirtschaftlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts für Europa und die USA bleiben voraussichtlich positiv. Speziell die europäischen Aktienmärkte kamen, aufgrund der bekannten Themen, wie der Ausgestaltung des Brexits, des italienischen Haushaltsstreits und dem anhaltenden Handelskrieg stark unter Druck. Klassische Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinnverhältnisse und Dividendenrenditen notieren mittlerweile bereits unter bzw. über ihren historischen Durchschnitten. Die aktuelle Kurskorrektur preist bereits einen zweistelligen Rückgang der Unternehmensgewinne ein, ohne jedoch mögliche Kosteneinsparungen der Unternehmen zu berücksichtigen. Insgesamt ist es nach Jahreskorrekturen von mehr als 25% historisch unwahrscheinlich, dass ein weiteres Verlustjahr am Aktienmarkt bevorsteht. Auch für die US-Geldpolitik erwarten die Marktteilnehmer mittlerweile deutlich weniger Zinsanhebungen, als noch zur Jahresmitte 2018.

Die bekannten politischen Risiken bieten aber zudem auch Chancen für die Märkte. Die aktive Handelspolitik der Regierung Trump kann im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 zu weiteren Spannungen aber auch zur Deeskalation führen. Der Belastungsfaktor Brexit sollte sich mit einem klaren Ergebnis bis Ende März 2019 besser skizzieren lassen und Unsicherheit vom Markt nehmen. Allerdings sollten die daraus entstehenden Auswirkungen auf Wirtschaft und Unternehmen erst deutlich verspätet prognostizierbar werden. Nicht zu vergessen Italien, deren Regierung sich mittlerweile zwar wegen der Ausweitung Ihrer Staatsschulden mit der EU weitgehend geeinigt hat, aber fraglich ist, wer die anstehende 250 Mrd EUR Umschuldung nachfragen soll, denn der enorme italienische Schuldenberg wächst weiter. Deshalb kommt Italien, anders als damals Griechenland und Portugal, wesentlich größere Bedeutung in der Eurozone zu. Auch ein Comeback einzelner Branchenthemen ist für 2019 vorstellbar. Die stark gedrückten Kurse bei Chemie- und Automobilaktien können im Zuge einer verbesserten Konjunkturerwartung oder Beilegung des Handelskonfliktes ein attraktives Einstiegsniveau darstellen.

Der Jahresverlauf wird wohl ähnlich turbulent werden wie das Jahr 2018. Wir glauben aber, dass sich die Märkte über kurz oder lang wieder stärker an den Fundamentalwerten der Unternehmen orientieren werden. Wir legen daher in unserem Auswahlprozess weiterhin den Fokus auf Qualitätsunternehmen mit robuster Bilanz, geringer Verschuldung, möglichst hohen Markteintrittsbarrieren und nachhaltigem Geschäftsmodell. Darüber hinaus bieten sich auf diesem Niveau Dividendenpapiere als CashFlow-Ersatz an, denn von einer Zinswende in Europa sind wir unseres Erachtens immer noch weit entfernt. Obwohl der Markt der höher verzinslichen Bonds derzeit unter schwacher Liquidität leidet, sind keine höheren Ausfallraten (derzeit bei 4%) in diesem Segment messbar. Der Druck in dieser Anlageklasse sollte deshalb wieder etwas abnehmen.

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