An der Börse zählen nicht nur Fakten, sondern auch das, was geglaubt wird.Wie Narrative Kurse treiben, Blasen nähren und Anleger verführen
Es war einmal ein Sparer, der träumte davon, sein Glück an der Börse zu finden. Jeden Tag verfolgte er die Kurse, wie sie stiegen und fielen, und er fragte sich, welch Geheimnis sich wohl hinter ihrem Tanze verberge.
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Denn tatsächlich sind es oft nicht jene Fundamentaldaten, die Börsentrends bestimmen und die Kurse immer höher treiben, sondern sogenannte Narrative, also wirkungsvolle Deutungsmuster.
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„Ein klassisches Beispiel der jüngeren Zeit war der Dotcom-Boom um die Jahrtausendwende“, sagt Nicolas Pilz von der Societas Vermögensverwaltung.
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Doch als Kapital durch Zinserhöhungen in den USA knapp wurde, brach die Erzählung zusammen. Die Kurse stürzten ab, viele Firmen gingen pleite, und die Euphorie wich jahrelanger Ernüchterung. „Auch danach wurde der Finanzmarkt immer wieder entscheidend durch Narrative geprägt. ‚Immobilienpreise fallen nie‘ war so eines – bis zur Finanzkrise 2008/09. Doch es gibt auch Narrative, die lange tragen und allen Einwänden trotzen. Dennoch steigt die Aktie weiter.
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Entsprechend sei die Gefahr langfristiger Narrative mit realwirtschaftlichem Substrat“, sagt Felix Scheppe von der B&K Vermögen in Köln. Dadurch ist die Gefahr eines plötzlichen Absturzes geringer. Dennoch sei Vorsicht angebracht. Wer den Trend richtig identifiziert, der die falschen Aktien wählt, kann verlieren. Die Eisenbahn hat die Welt verändert, die meisten Eisenbahngesellschaften sind dennoch untergegangen. „Megatrends sind also gute Suchfelder, aber kein Ersatz für nüchterne Einzelanalyse und Diversifikation“, sagt Scheppe.







