Nach dem verlustreichen Jahresende 2018 konnte das erste Quartal 2019 für positive Überraschung sorgen. Eine Gegenbewegung auf den Dezember-Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten war wahrscheinlich, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Mittlerweile zeigen sich erste überkaufte Indikationen an den Aktienmärkten. Gerade vor dem Hintergrund, dass die konjunkturellen Frühindikatoren eine wirtschaftliche Abkühlung anzeigen. Trotz eines zuletzt besseren Ifo-Indikators bleiben die Konjunkturaussichten für Europa schlecht. Positiv entwickelten sich nur die Dienstleistungen, während das verarbeitende Gewerbe weiter leidet. Die bekannten Handelskonflikte USA/China und USA/Europa, eine nachlassende Nachfrage aus China sowie das Chaos um den verschobenen Brexit und andere politische Unsicherheiten belasten die exportorientierten Volkswirtschaften. Deutlich ablesbar ist dies seit Längerem an den rückläufigen Einkaufsmanagerindizes zum verarbeitenden Gewerbe, die jüngst sogar deutlich unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen sind und damit einen Rückgang der Wirtschaft vorhersagen. Viele Unternehmensinvestitionen wurden sicherlich wegen der politischen Unwägbarkeiten vorübergehend auf Eis gelegt. Allein bezüglich des Brexit reicht vielen Unternehmen ein einziger Berührungspunkt innerhalb der Fertigungskette mit Großbritannien, um Gefahr zu laufen, bei einem ungeregelten Austritt die Kostenbasis deutlich zu erhöhen.

Auch die US-Industrieproduktion blieb im ersten Quartal hinter ihren Erwartungen zurück. Die trumpschen Steuerentlastungen laufen langsam aus und lassen die US-Sonderkonjunktur langsam abebben. Dennoch steht die US-Wirtschaft wesentlich solider da als die der Europäer. Die chinesische Regierung bekämpft das schwächere Wirtschaftswachstum erneut durch verschiedenste Maßnahmen wie Krediterleichterungen, Infrastrukturinvestitionen und Steuer- bzw. Zollsenkungen. Erste Indikationen weisen auf einen Erfolg dieser Maßnahmen hin. Sobald die Handelsstreitigkeiten mit den USA beigelegt sind, sollte sich das chinesische Wirtschaftsumfeld und die Investitionsneigung wieder erholen.

Die weitere Entwicklung der globalen Aktienmärkte hängt aber nicht nur von einer Deeskalation der Handelskriege ab. Genauso im Fokus steht weiterhin die Notenbank-Politik. US-Notenbankchef Powell stellte jüngst klar, dass es 2019 voraussichtlich keine Zinserhöhung mehr geben wird und die Konjunkturprognose nach unten angepasst werden muss. Diese Aussage führte zu einem Rückgang der langlaufenden Staatsanleihezinsen unter das Niveau der Kurzlaufenden. Diese inverse Zinsstrukturkurve kündigte in der Vergangenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit eine US-Rezession an. Neben der Fed, die über genug Massnahmen für eine Ankurbelung der Wirtschaft verfügt, sprechen jedoch auch die Rekord-Neuverschuldung und die anhaltend hohen Aktienrückkäufe gegen eine Rezession in den USA. Die europäische Zentralbank wird die Zinsen nach eigener Aussage nicht vor dem ersten Quartal 2020 anheben. Als Unterstützung hat diese aber zusätzliche, längerfristige Refinanzierungsgeschäfte ab September dieses Jahres bekannt gegeben.

Ein Abnehmen der internationalen Handelsspannungen, ein Überwinden von Chinas Konjunkturschwäche sowie die Vermeidung eines harten Brexits könnten die globalen Konjunktursorgen, allen voran die der gebeutelten Europäer, wesentlich abschwächen. Die Chancen stehen nicht schlecht, da Trump für die bevorstehende Wahl 2020 eine gut laufende Konjunktur benötigt. Dafür müssen neben einer Klärung der Handelsbeziehungen und einer gleichbleibend geringen Arbeitslosigkeit auch Investitionen in die Infrastruktur stattfinden, um die von der FED erwartete Konjunkturabkühlung zu unterbinden. Der zunehmenden Diskrepanz zwischen den schwächer werdenden Konjunkturdaten und den zeitgleich deutlichen Kursanstiegen stehen wir mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einen möglichen Kursrückgang schließen wir derzeit nicht aus. Positive Überraschungen könnten jedoch, neben den genannten Politikfeldern, auch aus den Unternehmen kommen, da die Analysten ihre Gewinnerwartungen für dieses Quartal deutlich nach unten angepasst haben. In diesem anspruchsvollen Umfeld agieren wir tendenziell noch aktiver als sonst, um die Portfolien vor extremen Turbulenzen zu schützen.

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